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Wegbereiter des Instituts

Die Arbeitsgebiete der Lehrstühle verändern sich entsprechend der technischen Entwicklung und den personellen Potenzialen. Vor jeder Neuberufung wird die Struktur der Arbeitsgebiete neu überdacht. Die derzeitigen Aufgaben des Institutes für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik wurden deshalb in der Vergangenheit von verschiedenen Lehrstühlen bearbeitet, so wie auch Arbeitsgebiete abgeben wurden, wie z.B. die Kolbenmaschinen.

1859-1879 Prof. Otto Grove

Der 1836 in Goslar geborene Otto Grove begann 1858 als Assistent für das Maschinenwesen an der Polytechnischen Schule zu Hannover. 1859 wurde er Lehrer für Maschinenbau und er hielt 1862 den Titel Maschinenbauinspektor. Professor Grove war von 1868-1879 in Hannover und ging danach an die TH Berlin.

1880-1910 Prof. Wilhelm Riehn

Einer der Urväter des Institutes war Wilhelm Riehn, der 1841 bei Hamburg geboren wurde. Wilhelm Riehn arbeitete als Ingenieur bei der Vereinigten Hamburg-Magdeburger-Dampfschiffahrts-Kompagnie in Buckau und bei der Maschinen- und Bauverwaltung des Oberbergamtes in Clausthal. 1874 gründete er die Firma Riehn, Meinicke und Wolf in Görlitz. 1879 wurde er Lehrer für Schiffbau und Maschinenbau an der Polytechnischen Schule zu Hannover. 1879/80 nahm er das Gesamtgebiet des Maschinenbaus mit Ausnahme des Eisenbahnmaschinenbaus wahr. Ab 1880 war er etatsm. Professor für Schiffbau einschl. Schiffsmaschinenbau, Bau und Theorie der Kraftmaschinen, Aufzugsmaschinen und Pumpen sowie 1916 vertretungsweise auch für Wasserkraftmaschinen. Er wurde erst 1910 emeritiert.

1901-1904 Prof. Ludwig Prandtl

Ludwig Prandtl, geborene 1875, arbeitete seit 1900 als Ingenieur bei der Maschinengesellschaft Nürnberg und Vereinigten Maschinenfabrik Augsburg. Er promovierte 1900 in München zum Dr. phil. und wurde zum 01.10.1901 als Professor für technische Mechanik in der Fakultät für Maschinenwesen an der TH Hannover berufen. Ab 01.09.1904 folgte er einem Ruf als ao. Professor für technische Physik an die Universität Göttingen und wurde dort 1907 ordentlicher Professor. 1907 bis 1908 errichtete er die erste Modellversuchsanstalt für Luftfahrtzwecke in Göttingen und wurde 1925 Direktor des Kaiser-Wilhelm-Institutes für Strömungsforschung und der 1915 bis 1917 von ihm geschaffenen Aerodynamischen Versuchsanstalt. 1947 wurde er emeritiert. Er erhielt sehr viele wissenschaftliche Auszeichnungen für seine grundlegenden Arbeiten in der Strömungslehre.

1911-1925 Prof. Hermann Franke

Hermann Franke wurde 1870 in Nürnberg geboren. Ab 1895 war er als Ingenieur bei der Dampfschiffs- und Maschinen-Bauanstalt der Österreichischen Nordwest-Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Dresden tätig. Von 1903 bis 1911 war er ordentlicher Professor an der TH Braunschweig. Ab 1911 war er Professor für Dampfmaschinen (Dampfkolbenmaschinen, Dampfturbinen und Dampfkessel) an der TH Hannover und trug von 1921 bis 1925 auch über Dampftechnik und Feuerungstechnik vor. Seit 1921 war er Vorstand des von ihm eingerichteten Maschinenlaboratoriums A (Dampfkraftmaschinen) und des Kraft- und Heizwerkes sowie des Institutes für Dampf- und Feuerungstechnik an der TH Hannover.

1926-1947 Prof. Karl Röder

Karl Röder, der 1881 in Unterfranken geboren wurde und in München studiert hatte, war seit 1904 bei J.A. Maffei und bei Helms & Pfenninger in München tätig. 1912 promovierte er in München zum Dr.-Ing. Von 1914 bis 1920 war er Oberingenieur bei der Maschinenfabrik Thyssen &Co. Anschließend war er in Mühlheim als beratender Ingenieur tätig. 1924 wurde er zum o. Professor für Maschinenteile, Getriebelehre und Maschinenkunde an die TH Stuttgart berufen. 1926 wurde er an die TH Hannover für das Fachgebiet Dampfkraftmaschinen und Kessel berufen und zugleich Vorstand des Maschinenlaboratoriums A (Dampfkraftmaschinen) und des Kraft- und Heizwerkes. Röder hat sich sehr eingehend mit der Entwicklung der Dampfturbinen befaßt. Er versuchte eine axiale Gegenlaufturbine als Pendant zur radialen Ljungströmturbine zu entwickeln und baute die erste hochtourige Gegendruckturbine in Überdruckbauart (Röder-Bauart), die sich durch guten Wirkungsgrad und infolge „atmender Einbauten“ durch thermische Elastizität und daher große Betriebssicherheit auszeichnet. 1947 wurde Röder emeritiert.

1948-1955 Gustav Flügel

Gustav Flügel war seit 1924 ordentlicher Professor an der TH Danzig für das Fach Dampfturbinen, Strömungsphysik und Propeller und zugleich als Leiter des Institutes für Hydro- und Aerodynamik. 1948 wurde er vertretungsweise Nachfolger von Karl Röder. Vor seiner Berufung an die TH Danzig hatte Flügel in München studiert. Er arbeitet 1909 bis 1910 als Konstruktionsingenieur für Schiffsturbinen an der Vulcanwerft in Stettin und wurde 1910 bis 1912 Assistent am Lehrstuhl für Maschinenbau der TH Danzig. 1914 promovierte er in Danzig zum Dr.-Ing. Ab 1912 arbeitete er bis zu seiner Berufung an die TH Danzig als Konstruktions- und Berechnungsingenieur später als Abteilungsleiter und Oberingenieur für Turbomaschinen bei der AEG-Turbinenfabrik in Berlin.

1955-1977 Prof. Karl Bammert

Karl Bammert, geboren 1908 in Neu-Ulm, wurde 1955 als ordentlicher Professor und Direktor berufen. Der Lehrstuhl für Dampfkraftmaschinen war inzwischen in Zusammenhang mit einer durchgreifenden Neuordnung der Lehrgebiete als Folge der Kriegseinwirkungen in Lehrstuhl für Strömungsmaschinen umbenannt worden. Der Lehrstuhl sollte die Gebiete Dampfturbinen, Kreiselverdichter und die gerade in Entwicklung befindlichen Gasturbinen abdecken.

Karl Bammert studierte an der TH Karlsruhe und arbeitete danach hauptsächlich als Konstrukteur und Prüfstandsingenieur mit Verbrennungskraftmaschinen in Dortmund und Berlin. Er ging dann zurück an die TH Karlsruhe und promovierte zum Dr.-Ing. Von 1940 bis zum Kriegsende arbeitete er in der Luftfahrtforschung in Braunschweig im Bereich Turbinen-, Verdichter- und Brennkammerentwicklung. Vom Kriegsende 1945 bis 1948 wurde er für die Royal Air Force und das Ministry of Supply in London dienstverpflichtet. Von 1948 bis zu seiner Berufung an die TH Hannover 1955 arbeitete er bei der Gutehoffnungshütte Sterkrade AG in Oberhausen in der Entwicklung und Konstruktion von Turbomaschinen. In diese Zeit fielen die Einführung der Axialverdichter und der Bau geschlossener mit Kohlenstaub gefeuerter Gasturbinenanlagen insbesondere für Heizkraftwerke. 1977 wurde er emeritiert. Er verstarb 1988.

1978-2000 Prof. Walter Rieß

Walter Rieß wurde 1932 in München geboren. Er studierte Maschinenbau an der TH München. Nach einem post-graduate Stipendium 1955/56 an der ETH Zürich war er von 1956 bis 1965 Assistent am Institut für thermische Turbomaschinen (Prof. Traupel) an dieser Hochschule. Danach ging er als Leiter der thermodynamischen Berechnung für Dampfturbinen zur MAN Nürnberg. Ab 1972 war er Leiter der Entwicklung und Forschung in einer gemeinsamen Entwicklungs- und Konstruktionsfirma für Dampfturbinen von Alsthom, MAN und Rateau. 1977 ging er als Leiter der Hauptgruppe Maschinentechnik in der Kraftwerksplanung zum RWE, Essen. 1978 wurde er zum ordentlichen Professor und Direktor des Institutes für Strömungsmaschinen an der TU Hannover berufen. Erst im Jahr 2000 wurde er emeritiert. Er verstarb 2008.
Lehre: Vorlesungen über Strömungsmaschinen, thermische Turbomaschinen, Dampfturbinen, Gasturbinen, Turbostrahltriebwerke und Turboverdichter. Das Vorlesungsangebot wurde hinsichtlich spezieller Themen ergänzt durch Lehrbeauftragte und Privatdozenten aus der Industrie und aus Forschungsreinrichtungen: Meier, Peter, Rühland, Raffel, Selzer und Zehner. Dazu Labor- und Studienarbeiten und ca. 43 Dissertationen.

1973-2001 Prof. Manfred Rautenberg

Manfred Rautenberg wurde 1934 in Insterburg (Ostpreußen) geboren. Er studierte an der TH Hannover und arbeitete 1961-1962 als Entwicklungsingenieur für Radialverdichter bei der Gutehoffnungshütte in Sterkrade. Seit 1962 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Assistent am Institut für Strömungsmaschinen. 1971 promovierte er zum Dr.-Ing. 1973 wurde er zum Abteilungsvorsteher und Professor (Abteilung Radialverdichter) am Institut für Strömungsmaschinen berufen.

Lehre: Vorlesung über Radialverdichter, Abgasturbolader, Hydraulische Strömungsmaschinen, Kupplungen und Wandler, 53 Referate bzw. Koreferate bei Dissertationen und Habilitationen.

Forschung: Die Hauptforschungsgebiete von Rautenberg, die zur Zeit zu 287 Veröffentlichungen führten, sind die stationären und instationären Charakteristiken von Radialverdichtern und Abgasturboladern, meist experimentell gestützt oder aus Versuchen abgeleitet, wie Untersuchungen zu Schaufelschwingungen an Radialverdichtern, gegenseitigen Beeinflussungen von Laufrad- und Diffusorbeschaufelung in Radialverdichtern, Einfluss von Vorleitgittern verschiedener Geometrie bei einer Radialverdichterstufe, Energieumwandlung im Vorleitrad, Auslegung von Kühllüftern für Nutzfahrzeuge, Betriebsverhalten leitschaufel- und bypassgeregelter PKW-Abgasturbolader, Verdichter in Kläranlagen, Fördertechnik, Wärmepumpen, Klimaanlagen, für Brüden, in der Offshoretechnik, Vakuumtechnik, Erdgasspeicherung, in Geothermie-Prozessen.

Weitere Wegbereiter

1880-1910 - Prof. Wilhelm Riehn
W. Riehn übernimmt die Aufgaben des Institutes, Turbomaschinen und Fluidmechanik.

1901-1904 - Prof. Ludwig Prandtl
Den Lehrstuhl in der Fakultät für Maschinenwesen erhielt der 1875 geborene Ludwig Prandtl.

1911-1925 - Prof. Herrmann Franke
Ab 1911 war er Professor für Dampfmaschinen (Dampfkolbenmaschinen, Dampfturbinen und Dampfkessel) an der TH Hannover.

1926-1947 - Prof. Karl Röder
1926 wurde er an die TH Hannover für das Fachgebiet Dampfkraftmaschinen und Kessel berufen.

1948-1955 - Prof. Gustav Flügel
1948  in Vertretung wird Gustav Flügel Leiter des Fachgebietes für Dampfkraftmaschinen und Kessel.

1955-1977 - Prof. Karl Bammert
K. Bammert wird als ordentlicher Professor für den "Lehrstuhl für Strömungsmaschinen" ehemals "Lehrstuhl für Dampfturbinen" berufen.

1978-2000 - Prof. Walter Rieß
1978 wurde er zum ordentlichen Professor und Direktor des Institutes für Strömungsmaschinen an der TU Hannover berufen. Erst im Jahr 2000 wurde er emeritiert.

1973-2001 - Prof. Manfred Rautenberg
1973 wurde M. Rautenberg zum Abteilungsvorsteher und Professor (Abteilung Radialverdichter) am Institut für Strömungsmaschinen berufen.

seit 2000 - Prof. Jörg Seume
2000 wird J. Seume zum Leiter des Institut für Turbomaschinen und Fluid-Dynamik ehemals Institut für Strömungsmaschinen.